Über den Tellerrand
„Beim Essen kommen die Leute zusammen“, heißt es zumindest. Aber Achtung, andere Länder, andere Sitten und auch andere Ausdrücke. Hätten Sie gedacht, dass sich hinter Topfengolatsche, Ramquadrat und Zigerchrapfe ein und dasselbe Produkt versteckt? Da stolpert man in seinem Zusammengehörigkeitsgefühl!
Obwohl Österreich, Deutschland und Schweiz alle deutschsprachige Länder sind, gibt es dennoch riesige Unterschiede in der Bezeichnung von Essen. Deshalb gibt es bei KiloCoach ™ auch eine länderspezifische Datenbank, in der Sie dann in Österreich die Semmel, in Deutschland das Brötchen und in der Schweiz das Weggli finden. Es ist nicht nur die Aussprache größtenteils eine völlig anderen, sondern auch die Produktbezeichnung selbst.
So sagen die Schweizer „Nüsslisalat“, die Deutschen „Feldsalat“ und in Österreich heißt derselbe Salat „Vogerlsalat“. Nüsslisalat könnte davon kommen, weil er ein nussiges Aroma hat, Feldsalat, weil er am Feld wächst, aber Vogerlsalat? Was haben sich die Österreicher nur dabei wieder gedacht? Weil ihn die Vögel gerne fressen?
Quiz
So, zum Aufwärmen gleich ein kleines Ratespiel. Die Auflösung gibt es dann weiter unten. Als kleine Hilfestellung vorab, es handelt sich bei allen drei Begriffen um Nahrungsmittel, auch wenn es nicht immer danach klingt ;-)
- Was bekommt man, wenn man eine Chindsbettisuppe bestellt?
- Kennen Sie ein Scherzl?
- Was ist Flönz?
Alles Wurscht (Wurst)?
„Alles Wurscht“ sagt man in Österreich, wenn alles egal, gleichgültig ist. Aber bei uns geht es jetzt nicht darum, sondern wirklich um die Wurst. So manch Deutscher wird staunen, wenn er in einem österreichischem Supermarkt „Wiener“ bestellt. Dann bekommt er nämlich nicht die erwarteten „Wiener Würste“, sondern er bekommt „Wiener Wurst“. Eh fast dasselbe? Nein, nicht ganz! Bei der „Wiener Wurst“ handelt es sich um eine Aufschnittwurst und nicht um die weltweit bekannten Kochwürste. Warum heißen eigentlich dieselben Würstel in Wien Frankfurter und in Frankfurt Wiener? Die Frankfurter wurden 1805 erstmals in Wien von einem gebürtigem Frankfurter Fleischer Johann Georg Lahner (1771-1875) hergestellt. In Österreich durfte er Rind- und Schweinefleisch mischen, was in Deutschland damals noch verboten war. Als Erinnerung an seine Heimat nannte er die Würste Frankfurter. Doch in Deutschland und in der Schweiz konnte man sich mit der Bezeichnung nicht wirklich anfreunden und sagt stets „Wiener Würstchen“ oder „Wienerli“ dazu.
Übrigens, wer jetzt Lust bekommen hat, die Würstel selber herzustellen, nehme 47 Teile Rindfleisch und/oder Schweinefleisch, 23 Teile Speck, 30 Teile Wasser und max. 1 Teil Kartoffelstärke pro 100 Teile Wurstmasse. Das Fleisch wird in einem Kutter (ähnlich wie ein Fleischwolf) zerkleinert, mit Salz und Umrötehilfsstoffen gewürzt. Dann gibt man Wasser dazu und kann beobachten, wie das Muskeleiweiß aus den Muskelzellen freigesetzt wird und so ein aufgequollener bindefreudiger Zustand erreicht wird. Danach wird das pure Fett noch zugegeben und mit der anderen Masse vermischt. Damit es auch nach etwas schmeckt, kommen noch Gewürze wie Pfeffer, Muskatnuss und Knoblauch dazu. Danach füllt man die Masse noch in Saitlinge (Schafdärme) und dreht die Würste paarweise ab. Jetzt noch kurz in die Räucherkammer, brühen und dann abkühlen. Und fertig ist die Wurst! Falls Ihnen nun nicht das „Wasser im Mund zusammen läuft“ (sagt man so, wenn man einen wahnsinnigen Gusto oder Bock auf etwas hat), macht das nichts, Ihre KiloCoach ™ Tagesuhr freut sich bestimmt darüber ;-)
Bleiben wir noch ganz kurz bei der Wurst. Nur für den Fall, dass Sie einmal in Wien zu einem Würstelstand oder einer Imbißbude gehen, sollten Sie unbedingt den Ausdruck „A Haße“ kennen. Richtig, dahinter versteckt sich eine „heiße Wurst“ nämlich die Burenwurst oder auf Hochdeutsch „Bockwurst“ genannt. In der Schweiz nennt man eine Brühwurst übrigens Klöpfer. Ein Klopfer ist hier ein kleines Schnapsfläschchen, das man meist in einer geselligen Runde trinkt und vorher auf den Tisch klopft.
Zu einer Wurst darf natürlich auch das Bier nicht fehlen. Während der durchschnittliche Pro-Kopf-Verbrauch in einem Jahr in Deutschland und Österreich bei ca. 9 Kasten bzw. Kisten Bier liegt, kommen die Schweizer auf nur 4 Harass Bier. Vielleicht liegt es daran, dass man in der Schweiz immer nur eine Stange Bier bestellt was einem österreichischen „Seiterl“ entspricht bzw. 0,3 l Bier. Die Österreicher und Deutschen haben offensichtlich mehr Durst und greifen lieber gleich zu einem Krügerl (Ostösterreicht) bzw. einer Halben (Westösterreich) oder eben gleich zu einer Maß Bier, wie es am Oktoberfest gebräuchlich ist. Außer in Köln, wo die Kölner Stange in 0,2 l Gläser abgegeben wird, was die Kellner, da die Köllner ja nicht weniger durstig sind, ziemlich auf Trab hält.
Besonders süß klingen für einen Österreicher die schweizer Ausdrücke, die auf –li enden. Davon gibt es wohl unzählige! Das Mistkratzerli klingt schon so niedlich, dass man es gar nicht mehr essen will. Oder, wie geht es Ihnen dabei, wenn Sie das hören? Mehr Appetit bekommt man da schon beim Hühnchen oder Hendl.
Und wer nach einem deftigem Essen etwas zu Erleichterung braucht, trinkt einen Schnaps zur Verdauung oder wie man in Österreich sagt, ein „Verdauungsstamperl“. Das ist leider nach wie vor üblich, obwohl es die Verdauung nicht anregt, sondern lediglich den Magen kurzfristig betäubt und so das unangenehme Völlegefühl vorübergehend verschwinden lässt. Wesentlich effektiver ist hier ein Verdauungsspaziergang!
Was in Österreich die Palatschinken sind, sind in Deutschland die Pfannkuchen und in der Schweiz die Omeletten. Dünn geschnitten ergeben Sie die Fritatten, Pfannkuchenstreifen oder die Flädli die dann mit einer Suppe bzw. Brühe gegessen werden. So manchem Deutschen ist diese Suppe auch als Pfannkuchenschnipplbrühe geläufig.
Achtung in Berlin, dort ist ein Pfannkuchen oder Berliner Pfannkuchen das, was weiter südlich ein Kreppel oder ganz einfach ein Krapfen ist. Aber ganz egal, wie Sie ihn nennen, er schlägt sich immer gleich auf Ihr Kalorienkonto, und zwar mit knapp über 200 Kalorien pro Stück, nieder.
Eine weitere süße Köstlichkeit sind Arme Ritter. Das sind halbierte, doppelte Weißbrotscheiben, die in einer Mehl-Eier-Milch Mischung eingetaucht und anschließend im Fett gebacken werden. Gefüllt werden sie üblicherweise mit Pflaumenmus, Konfitüre oder Powidl. Das sind dann die Reichen Ritter. In Österreich bekommt man die sogenannten Pofesen häufig auf Bauernmärkten. Die Schweizer nennen es Fotzelschnitte.
So, nun aber genug mit all den Kalorienbomben! Jetzt reden wir über die „g’sunden Sachen“ bzw. über Obst und Gemüse. Eine Beere, die Sie garantiert nicht am Abnehmen hindert, ist die Blaubeere oder wie die Österreicher sagen, Schwarz- oder Heidelbeere. Warum die Beere, die nur 37 Kalorien pro 100 g hat, in der Schweiz Dickbeere genannt wird, bleibt für uns ein ungelöstes Rätsel. Vielmehr hätte Sie den Namen Schlankbeere verdient ;-)
Rübköhli klingt nach Knödel oder Klöße. Finden Sie nicht auch? Irrtum! Ganz falsch! Rübköhli ist eine Gemüsemischung aus Karotten/Möhren und Kohlrabi. Demnach müsste das dann Karkohl oder Mökohl im österreichischen oder deutschen Sprachgebrauch heißen.
So süß und niedlich die schweizer Ausdrücke sind, aber eines haben wir dennoch gefunden, dass uns gar nicht gefällt: Totenbeinli. Wenn man das liest, glaubt man ja kaum, dass das wirklich etwas zum Essen ist. Es erweckt eher den Anschein nach Knochen und nicht nach Weihnachtskeksen.
Sie sehen also, ein Blick über den Tellerrand lohnt sich, schon alleine deshalb, damit man bei der nächsten Reise auch das serviert bekommt, was man sich erwartet!
Vielleicht können Sie uns erklären, warum die Dickbeere Dickbeere heißt oder haben noch andere witzige Begriffe in Ihrem Sprachrepertoire. Wir freuen uns auf Ihre Postings in unserem Forum.
Auflösung von oben stehendem Ratespiel:
- Unter einer Chindsbettisuppe verstehen die Schweizer eine Rindssuppe bzw. eine Rinderkraftbrühe.
- Ein Scherzl ist für den Österreicher ein Anschnitt Brot bzw. ein Bödeli oder Mürgeli.
- Flönz ist für den Deutschen eine Blutwurst. In Österreich ist diese Köstlichkeit unter der Bezeichnung „Blunz’n“ bekannt. Da gibt es dann auch noch das „Blunz’n Gröstl“, das aus Blutwurst, gerösteten Kartoffeln und Sauerkraut besteht.
Hier nochmals stärksten Ausdrücke für das Lachmuskeltraining zusammengefasst:
|
Österreich |
Deutschland |
Schweiz |
|
Topfengolatsche |
Rahmquadrat |
Zigerchrapfe |
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Fritattensuppe |
Pfannkuchenschnippelbrühe |
Flädlisuppe |
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Faschierte Laberl, Fleischlaberl |
Frikadellen |
Hackplätzli |
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Fleckerlspeise |
Wurstnudeln |
Wurstnudeln |
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Flying Hirsch |
Flying Hirsch |
Flügender Hirsch |
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Seiterl |
0,3 l |
Stange |
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Radler |
Alsterwasser, Potsdamer, Stange |
Panasche |
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Sekt |
Sekt |
Cüpli |
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Keks |
Plätzchen |
Guetzli |
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Scherzl |
Brotanschnitt |
Bödeli, Mürgeli |
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Apfelkuchen |
Apfelkuchen |
Öpfelturte |
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Butter |
Butter |
Anke |
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Stelze |
Eisbein |
Gnagi |
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Schwarzbrot |
Graubrot |
Ruchbrot |
|
Dampfl |
Hefevorteig |
Hefevorteig |
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Russen |
Bismarckheringe |
Bismarckheringe |
|
Kipferl |
Hörnchen |
Gipfeli |
|
Käse |
Käse |
Chäsch |
|
Lutscher |
Lutscher |
Schleckstengel, Lollipop |
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Schwammerl |
Pilze |
Schwüm |
|
Spinat |
Spinat |
Binätsch |
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Walnüsse |
Walnüsse |
Baumnüsse |

